Ist doch alles Boden, oder?!

Das GSH Sek II-Profil Ökosystemforschung zu Gast bei Dr. Sarah Wiesner und dem Hamburg Urban Soil Climate Observatory HUSCO der Universität Hamburg.

Was für ein Schuljahresauftakt! Bereits unsere ersten gemeinsamen Unterrichtsstunden am 06. September führten uns direkt hinein in das Forschungsprojekt HUSCO der Universität Hamburg. Die Bodenkundlerin und Klimawissenschaftlerin Dr. Sarah Wiesner bearbeitete HUSCO bis zum Projektende 2016 wissenschaftlich und vermittelte uns nun spannende Einblicke in die funktionalen Kopplungen zwischen Stadtböden und dem Mikroklima der Hamburger City. 17 Bodenmessstationen, verteilt über das Hamburger Stadtgebiet, lieferten mit Bodenmesssensoren bis in 1,6 m Bodentiefe sechs Jahre lang Daten zu klimarelevanten Parametern wie z.B. Temperaturen und Bodenfeuchtigkeit.

Anhand ausgewählter Bodenproben konnten wir zunächst in kleinen Experimenten physikalische Eigenschaften unterschiedlicher Bodenbeschaffenheiten testen. Danach analysierten wir Datensätze aus den Messstationen mit Excel, um Rückschlüsse auf den Einfluss extremer Witterungsperioden ziehen zu können.

Die Daten zeigten z.B. den Verlauf des Eindringens von Wasser in den Boden nach Starkregenereignissen oder das Austrocknen von Böden während Dürreperioden. Da die Bodenmessstationen verschiedene Bodenprofile mit deutlich unterschiedlichen physikalischen Eigenschaften aufwiesen, konnten wir den Einfluss des Bodenaufbaus auf Veränderungen im Wasserhaushalt deutlich erkennen und unsere Ergebnisse sogar bestimmten Messstationen zuordnen!

Böden mit einer guten Wasserspeicherkapazität fördern Dank ihrer Verdunstungsleistung die Abkühlung bodennaher Luftschichten und sorgen so für kühlere Nächte in einer durch den Klimawandel zunehmend aufheizenden City. Solche Böden zeigen außerdem deutlich, dass sie aus ihren oberen 40 cm die anstehende Vegetation verlässlich mit Wasser versorgen können. Das Aufbrechen von Bodenstrukturen durch Baumaßnahmen, Grundwasserabsenkungen und Bodenversiegelung hingegen verschärfen den Wärmestress für die Stadtbevölkerung und verschlechtern die Lebensbedingungen für das ebenfalls kühlende Stadtgrün, insbesondere während längerer Hitzeperioden.

Durch die Forschungsergebnisse aus HUSCO lassen sich genauere Anforderungen für den Umgang mit Stadtböden für eine klimaangepasste Stadtentwicklung ableiten. Und weil dies nicht nur Hamburg interessiert, kommen Erkenntnisse aus HUSCO nun dem bundesweit startenden Forschungsprojekt 3DO zugute.

Im Gegensatz zur Raumsonde Rosetta sendet HUSCO auch nach Projektende weiter Daten aus einigen Bodenmessstationen – wer neugierig ist, kann sich aktuelle Daten hier angucken.