Alles über den Kunststoff Buna

Nicht nur die alten Schulgebäude der GSH beherbergen viele Geschichten, sondern auch die Straßen, an denen sie liegen. Seit nunmehr neun Jahren lernen und unterrichten wir in der alten Schule an der Ecke Maretstraße/Bunatwiete. Die Maretstraße ist benannt nach Carl Maret, einem Harburger Senator und damaligen Chef der Phoenix. Zusammen mit seinem Kollegen Eddelbüttel liess er am Ende des 19. Jahrunderts die Straßen im heutigen Phoenixviertel anlegen. Aber wer war Frau oder Herr Buna?

Anders als die umliegenden Straßennamen vermuten lassen, handelt es sich bei Buna um keine Person, sondern um einen Markennamen der IG Farben. Der Forschungsabteilung dieses Firmenzusammenschlusses gelang es 1927 einen künstlichen Kautschukersatz aus Butadien herzustellen. Da für diesen Prozess Natrium als Katalysator, also als Reaktionsbeschleuniger, eingesetzt wurde, nannten sie den neuen Stoff „Buna“. Dieses Produkt wurde so bekannt, dass es noch heute unter diesem Markennamen bekannt ist – ähnlich wie Nutella, Aspirin oder Edding.

Durch das Zentralabitur war unserem Chemie-Grundkurs das Semesterthema „Wege vom Konzept zur Synthese und vom Rohstoff zum Produkt: Eigenschaften und Synthese von Kunststoffen“ vorgegeben. Es lag natürlich auf der Hand dieses Thema mit der Industriegeschichte Harburgs zu verknüpfen. So besuchten wir gemeinsam unter strengen Corona-Bedingungen den Vortrag „Hartes aus Harburg. Ein Beitrag zur Kunststoff- und Sozialgeschichte“ von Dr. Jürgen Ellermeyer im Helmssaal und beschäftigten uns mit der Herstellung von Galalith aus Casein, wie sie die Internationale Galalith-Gesellschaft Hoff u. Co. AG in Harburg betrieb. Nach einem gemeinsamen Einstieg teilten wir uns zum Thema Buna nach persönlichem Interesse in Gruppen auf.

So sind neben Ausarbeitungen mit einem eher chemischen Blick auf die Synthese, Strukturen, Eigenschaften, Verarbeitung und Rohstoffe des Buna auch industriehistorische Beiträge zur Rolle der Buna-Produktion im nationalsozialistischen Deutschland, der ehemaligen DDR und weltweit entstanden. Das Ringen um „kriegswichtige Rohstoffe“ hatte zu der damaligen Zeit natürlich politische Dimensionen. Diese werden vor allem in den Artikeln zum Konzentrationslager Auschwitz Monowitz und der Bunaverarbeitung in der Harburger Phoenix, die im Zweiten Weltkrieg auch Zwangsarbeiter*innen einsetzte, deutlich. Neben einem kurzen Blick in die Kulturgeschichte haben sich die Schüler*innen auch der aktuellen Bunaproduktion gewidmet und abschließend eine Prognose gewagt, wie zukunftsträchtig eine alternative Gummiproduktion im Hinblick auf die belastete Umwelt und die schlechten Recyclingmöglichkeiten überhaupt sein kann.

Eigentlich sollten die Ergebnisse in einer Ausstellung im Foyer des Oberstufengebäudes im Rahmen der Harburger Gedenktage präsentiert werden, die die Initiative Gedenken in Harburg immer im November organisiert. Doch die Pandemie durchkreuzte unsere Planungen und so erscheint nun eine kleine Broschüre zu diesem Thema.

Ich danke allen engagierten Autorinnen und Autoren von der GSH und dem FEG, unserem Redaktions- und Layoutteam sowie dem Schulverein GSH e.V. für die Übernahme der Druckkosten.

Jan Stöver